
Von Bolivien ging es über den Passo de Jama nach Argentinien, vom Hochland
hinunter nach San Salvador de Jujuy und dann wieder nordwärts Richtung
Grenzübergang Yacuiba nach Bolivien. Dieser nördlichste Teil Argentiniens liegt
schon in tropischen Gefilden und wir können endlich am Straßenrand günstig
Bananen, Zitrusfrüchte und Papayas kaufen. In Bolivien vervollständigen wir
unseren Bestand an einem örtlichen Markt noch ein wenig und

leisten uns zum
Schluss noch eine typische leckere Suppe ( für 50 €-Cent). Der Unterboden des Autos
wird in der Wäscherei gründlich von der harten Salzkruste der Salare befreit.
Dann geht es weiter zur Grenze nach Paraguay. Nach
einigen Pisten-km kommt 50 km vor der Grenze die Grenzabfertigung auf bolivianischer
Seite. Laut unserem Reiseführer fängt dahinter die Teerstraße an. Tut sie auch,
wenn auch mit großen ( manchmal straßenbreiten) Schlaglöchern, doch 100km
weiter ist auch damit

Schluß. Die Reste der ehemaligen Teerstraße sind völlig
weg, wir schaffen teilweise nur 15km in der Stunde oft durch pulvrigen
Lehmstaub mit tiefen Löchern. Der nördliche Chaco ist der trockenste Teil Paraguays,
außer ein paar einsamen Farmen ist er fast menschenleer
und besteht hier meist aus dichten
Dornenwäldern. Selbst der junge Flaschenbaum ist am Stamm voller Dornen. 250 km hinter der Grenze kommt der
erste kleine Ort und wir erhalten unsere

Einreisestempel. Ab hier (Estigarribia) ist die Straße dann ok. In der deutschen Kolonie
Filadelfia machen wir am Karfreitag Station. Entgegen
anderslautenden Gerüchten lebte der deutschstämmige Teil der Bevölkerung schon
lange vor dem 2.Weltkrieg in Paraguay und besteht nicht aus geflohenen Nazies. Filadelfia
ist das Zentrum der 1930 überwiegend von Russland-Deutschen gegründeten Kolonie
Fernheim und die größte Mennonitensiedlung

Paraguays.
Es ist schon komisch,
wenn man in

einem Ort auf einmal deutsch sprechen kann, die Hauptstraße
Hindenburg heißt und alles so gar nicht südamerikanisch aussieht. Im Museum gab es ein paar Infos über die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten
und über die Entwicklung der Kolonie. Wir fahren weiter über den Trans-Chaco-Higthway
Richtung der Hauptstadt Asuncion. Im südlichen Teil des

Chacos erstrecken sich
große Rinderweiden. Hier ist es nicht nur feuchter, sondern ein kräftiges
Unwetter hat weite Teile des Landes unter Wasser gesetzt. Entlang der Straße
stehen viele indigene Hütten im Wasser. Und mit dem Wasser müssen sich auch die
Mücken

explosionsartig vermehrt haben. Ohne Mückenschutz geht gar nichts.
In
Asuncion konnten wir im Botanischen Garten
stehen und mit dem Bus in die Innenstadt fahren. Auch hier gibt es
wieder mehrere grüne Plätze um mal eine Pause zu machen. Typisch für Paraguay
sind dort die teree- Verkäufer. In ihrem Stand kann man sich ein kleines
Bündel verschiedener frischer Kräuter aussuchen, das
dann in einem großen Mörser
zerstampft wird, mit kaltem Wasser aufgegossen und mit viel Eis als
erfrischender Kräutertee im Park getrunken wird. Dazu kann man an jeder Ecke
Chipas kaufen, Maisbrötchen oder mit
Fleisch und Käse gefüllte Mais-Taschen, die wirklich lecker sind. Gegenüber dem
Präsidentenpalast hatten wir in dem kleinen Museum eine Führung bekommen und
uns hinterher im Panteum de Heores das
Ehrenmal der verschiedenen Helden der wechselvollen Geschichte Paraguays
angeschaut
. Nach ein paar Tagen ging weiter durch die Cordilleren, die sanften Hügel
hinter Asuncion. Dier erste Station war ein schöner Platz in San Bernadino am
leider nicht so sauberen Lago Ypacarai. Da wir bei dem schönen Wetter mal
wieder baden wollten, haben wir wenige km weiter bei einem schweizer Hotel
mit Pool übernachtet. Anschließend
fuhren wir
über Caacupe, einem beliebten Wallfahrtsort weiter nach Yaguaron.
Die schön restaurierte Kirche ist mit einem kunstvoll von Guarani-Indianern
geschnitzten Altar ausgestattet. 40km
weiter wollten wir uns am nächsten Morgen das Eisenbahn-Museum von Sapucai
anschauen. Leider hat es in der Nacht mit Regnen angefangen und sich
dermaßen
gesteigert, dass am Nachmittag ein Großteil der riesigen
Werkhalle des Museums
unter Wasser stand. Am nächsten Tag, nach dem Abfließen des
Wassers konnten wir
uns die ausgedienten Dampfloks und die Werkstatt zu deren Reparatur ansehen.
Wie in weiten Teilen Südamerikas sind auch in Paraguay fast alle
Eisenbahn-Strecken seit langem stillgelegt worden. Weiter im Süden haben wir
noch einmal hinter San Ignacio an einem netten Hotel (Hotel Rual) mit Pool eine
Pause eingelegt. Der großen Stadt im Süden Paraguays, Encarnation haben wir nur einen kurzen Besuch abgestattet. Im Februar geht es hier für eine Woche in der Karnevalshochburg richtig rund (etwas kleiner, aber sonst vergleichbar mit Rio de Janero) aber man kann ja nicht überall sein.
Weiter im Süden haben wir noch einmal hinter San Ignacio an einem netten
Hotel (Hotel Rual) mit Pool eine Pause eingelegt, bevor wir die erste
Jesuiten-Mission besucht haben.
Die Jesuiten-Missionen ( Jesuiten-
Reduktion) wurden ab 1609 auf dem Gebiet
des heutigen Paraguays, Argentiniens und Brasiliens gegründet. Sie dienten
neben der Missionierung der Guarani-Indianer zum Christentum vor allem deren Schutz
vor Ausbeutung und Versklavung. In den Reduktionen lebten in großzügig
angelegten Dorfgemeinschaften meist 2 Jesuiten und bis zu 7000 Einheimische von
der Landwirtschaft und handwerklichen Produkten. Um den Kirchplatz gliederten
sich reihenweise
solide aufgebaute Wohnhäuser, Hospital, Schule usw. Wenn man
die heutigen Häuser vieler Guaranis anschaut, so hatten sie vor 400 Jahren
bessere Unterkünfte. Unsere erste Reduktion lag etwas abseits in San Cosme y
San Damian. Hier sind die Kirche und die Unterkünfte der Padres sehr gut
erhalten. Und da hier damals auch astronomische Forschungen betrieben wurden,
gab es gleich noch einen Blick durchs Fernrohr ( auf die Sonne) und einen
Besuch in einem kleinen Planetarium. In der Reduktion Trinidad
sind u.a. sehr
umfangreiche Reste der Guarani-Häuser und der Kirchen erhalten. Am Abend
(Do-Sa) gibt es eine Lichtshow, man spaziert zu Musik durch die beleuchteten
Ruinen. In der Reduktion Jesus de Tavarangue ist ein schöne Kirchenruine
erhalten. Die Reduktionen wurde auf Befehl des spanischen Königs nach 150
erfolgreichen Jahren verlassen, weshalb die großen Kirchenbauten überall
unvollendet blieben. Nördlich der
Missionen, um Hohenau wohnen wieder viele
deutsche Einwanderer und in Bella Vista besuchen wir eine Mate-Fabrik. In
diesem subtropischen Teil Paraguays liegen große Mate-Plantagen für das
Lieblingsgetränk vieler Südamerikaner. Und da unsere Führerin deutsch sprach,
konnten wir neben der Herstellung des Tees auch viel über die unterschiedliche
Zubereitung erfahren. Anschließend gab es eine Verkostung verschiedener
Teesorten,
aufgegossen typisch für Paraguay mit eiskaltem Wasser. Als letzten
Ort haben wir Ciudad del Este besucht. Hier liegt an der Grenze zwischen
Paraguay und Brasilien das zweitstärkste Wasserkraftwerk der Welt, der
Itaipu-Staudamm. 75% des Strombedarfs des Landes werden hier erzeugt. Die Staumauer ist 7,7km lang, bis zu 196m hoch
und staut den Parana auf 170 km Länge an. Leider sind in dem Stausee auch die
Wasserfälle Salto Grande de Sete Quedas
verschwunden, die noch imposanter als die
Iguacu-Fälle waren. Am Abend (Fr, Sa) konnten wir vom parag. Besucherzentrum
mit dem Bus auf der
brasilianische Seite die Lichtshow an der Staumauer mit
über 500 Scheinwerfern anschauen. Das ist schon ein gigantisches Bauwerk. An nächsten
Tag haben wir uns das Ganze auf einer anderen Tour noch einmal bei Tageslicht
angesehen. Als Umweltausgleichsmaßnahme wurde 10km weiter am Stausee ein
Refugio Biologico Tati Tupi geschaffen. Hier gab es (neben dem Campingplatz)
für uns sogar eine kleine Kutschfahrt durch den Urwald, und das wie alles am
Stausee in Paraguay sogar kostenlos. In
Ciudad dagegen, dreht sich alles um den Handel. Hierher kommen scharenweise die
Brasilianer um günstig einzukaufen. 10km südlich von Ciudad stürzt sich der Rio
Monday in eine
Schlucht. Durch die vielen Regenfälle der vergangenen Wochen ist
das Wassers schmutzig rot-braun gefärbt, wie die Erde Paraguays. Am Abend
suchen eigentlich Tausende von Schwalben ihre Schlafplätze hinter den Fällen
auf, wegen des vielen Wassers mussten wir auf dieses Schauspiel weitgehend
verzichten. Am 13.05. haben wir in Ciudad Paraguay verlassen. Dieses kleine bisher nur
von wenigen Touristen besuchte Land hat uns sehr gefallen. Schöne Landschaften,
viel mehr zu sehen, wie wir erwartet hatten und immer wieder nette Begegnungen
mit den freundlichen Paraguayern.
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